10 Fragen an Marthe-Victoria Lorenz von fairplaid

Veröffentlicht am von

fairplaid_Marthe-Lorenz_kleinWas genau dürfen wir uns unter Ihrem Startup vorstellen?
Auf fairplaid können Vereine, Sportler und Organisationen Projekte veröffentlichen und kostenlos Gelder einsammeln. Neue Trikots, die Fahrt ins Trainingslager, der Bau eines Stadions, oder der Rasen dafür; alles ist möglich. Unterstützer sind dann meist die Freunde, Familie, Fans oder Mitglieder des jeweiligen Vereins. Neben der guten Tat für ihren Club, ihr Team bzw. ihren Sportler erhalten sie eine Belohnung. Es erwarten sie exklusive Rabattgutscheine von kooperierenden Unternehmen – oftmals in doppelter Höhe des Unterstützungsbeitrags.

Wie ist die Geschäftsidee entstanden und wie funktioniert Ihr Geschäftsmodell?
Dass Sportvereine immer wieder finanzielle Mittel benötigen ist keine Neuheit. Der Bedarf ist vielmehr allgegenwärtig, höher, schneller, weiter kommt nicht von irgendwoher, Sponsoren immer schwieriger zu finden, Zuschüsse werden gekürzt. Diese Erfahrung habe ich selbst beim Stuttgarter EC und als Abteilungsleiterin beim MTV Stuttgart gemacht. Und als ich im Time Magazin über Crowdfunding gelesen habe, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich habe daraufhin meine Bachelorarbeit über Crowdfunding für Sportvereine geschrieben und entschieden, Crowdfunding für Sportvereine und Sportler in Deutschland zu etablieren.

Klar war aber auch, dass das „klassische“ Crowdfunding für Sportvereine nicht ausreicht, insbesondere kleine Breitensportvereine nicht den Mehrwert für Unterstützer als Gegenleistung bieten können, wie es Filme, Bands, Künstler oder Produktentwickler können. Ich habe daraufhin das Konzept um die Unternehmen erweitert und zusammen mit meinem Partner Philipp Mergenthaler weiterentwickelt. So wird das Konzept auch dem im Vereinssport wichtigen und gängigen Thema Sponsoring gerecht.

Wer sind die Gründer, was haben sie vorher gemacht und wie haben sie zueinander gefunden?
Das Gründerteam besteht aus Philipp Mergenthaler und mir. Philipp ist Geschäftsführer der Mergenthaler & Lenz Consulting GmbH & Co. KG, Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und war zuvor mehrere Jahre beim Württembergischen Landessportbund (WLSB) beschäftigt, u.a. als Leiter des Bereichs Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation. Als ehemaliger Kicker hält er mich immer auf dem Laufenden, was in der Fußballwelt passiert.

Ich selbst habe einen Abschluss in Medienwirtschaft von der Hochschule der Medien in Stuttgart und bin zudem freiberuflich als Webdesignerin und -entwicklerin tätig gewesen. In meiner Freizeit leite ich ehrenamtlich die Basketball-Abteilung des MTV Stuttgart 1843 e.V. und bin natürlich auch leidenschaftlich aktiv.

Was waren die größten Hürden auf dem Weg zur Gründung?
Eine Idee wird erst zum Leben geweckt durch die Personen, die diese mit Leidenschaft umsetzen, bereit sind, ihre Zeit hierfür einzubringen. Das Team zu finden und aufzubauen, bei dem die Chemie stimmt, die an einem Strang ziehen, gleiche Ziele haben und auch einen Gründer-Spirit in sich tragen, dies ist eine wirkliche Herausforderung. Denn bei einer Gründung geht es um einen gemeinsamen Weg, visionär wie finanziell und beides sollte passen. Der eigene Kopf ist auch eine Hürde, vielleicht sogar die Größte, in dem sich immer wieder Zweifel sammeln, die überwunden werden wollen.

Wie finanzieren Sie Ihr Startup?
Glücklicherweise benötigt man für eine Online-Plattform im Verhältnis nicht viel Startkapital, wir haben hier viel Eigenleistung und Schweiß eingebracht und die ersten Schritte auch mit Eigenmitteln finanziert. Mittelfristig trägt sich die Plattform über die Provisionen, die wir von den Gutscheinpartner erhalten sowie über Kampagnen mit Unternehmen, denen die Sportförderung in Deutschland am Herzen liegt.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
Unsere Zielgruppen sind Sportvereine, Sportler, Sportprojekte. In diesem Segment stehen wir aus meiner Sicht ganz vorne. Sicherlich gibt es mittlerweile einige Plattformen, die sich auch mit Sport-Projekten auseinandersetzen, jedoch nicht ausschließlich. Hier sehen wir fairplaid als marktführend an. Wir arbeiten zudem mit dem Crowdfunding-Marktführer startnext zusammen.

Wie wollen Sie Ihr Startup bekannt machen?
Die Zielgruppen von fairplaid sind alle internetaffin – daher erfolgt unsere Kommunikation hauptsächlich online: über soziale Medien-Kanäle wie natürlich Facebook, Twitter, Google+ – aber auch pinterest. Darüberhinaus wenden wir uns an Blogs und Sport-Portale, die gerne über uns berichten möchten. Der offline Bereich wird eher lokal bedient, d.h. wenn lokale Sportveranstaltungen sind, ist fairplaid vor Ort. Zudem gehen wir viel über unsere Netzwerke und nehmen Kontakt zu den Vereinen direkt auf. Der klassische Vertrieb von Unternehmens- bzw. Gutschein-Partnern darf natürlich auch nicht fehlen. Da kommt aber sicherlich kein Unternehmen drumherum!

Wo stehen Sie mit Ihrem Startup in einem Jahr?
Eine neue und weitere Säule der Sportförderung schafft man natürlich nicht in einem Jahr. Wir wollen aber das Thema dann soweit etabliert haben, dass einige hunderte Vereine hierfür Offenheit zeigen und natürlich auch größere Unternehmen davon überzeugen, mit Hilfe von fairplaid.org an der Sportförderung in Deutschland teilzunehmen. Langfristig wollen wir mit großen Marken zusammenarbeiten, die mit einem Klick flächendeckend Vereine in Deutschland fördern und erreichen können.

Welche Tipps/Ratschläge würden Sie Gründern mit auf den Weg geben?
Das ist immer eine schwierige Frage, denn eine Patentlösung gibt es nicht. Jede Idee ist anders, jedes Team ist anders. Wie ich oben schon beschrieben habe, ist das Team unglaublich wichtig, sucht euch Mitstreiter, ein Team, das zusammenhält, auch in schwierigen Zeiten. Glaubt fest an euch und eure Idee, seid aber auch offen für Kritik und flexibel, sollte es zu neuen Umständen kommen, denn der Markt ist dynamisch und jede Idee auch.

Was spricht für und was gegen eine Gründung im Sportbusiness?
Das Sportbusiness ist sehr vernetzt, jeder kennt jeden – und jeder spricht über jeden. Eine Gründung von Startups in diesem Bereich mit guter Vernetzung kann sich schnell etablieren – sonst kostet es sehr viel Mühe, sich zu etablieren. Als Online-Unternehmen bedarf es natürlich eines viel Mut auf Seiten der Sportvereine und -funktionäre. Denn für Sie ist das Thema sehr neu und es bestehen Berührungsängste. Die werden wir während der derzeitigen Betaphase mit Referenzprojekten abbauen und freuen uns dann mit fairplaid den Sport in Deutschland weiterhin nachhaltig zu fördern.

Vielen Dank für das Interview!

nach oben