10 Fragen an Björn Meyburg vom Verein Deutsche Turnfeste e.V.

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Foto Björn Meyburg kleinStellen Sie sich, Ihren aktuellen Job und Ihr Unternehmen/Ihre Institution vor.
Das sind ja gleich drei Fragen auf einmal … Wobei das Stichwort „drei“ gleich eine gute Überleitung bietet …

Hauptberuflich bin ich aktuell als Leiter der Eventabteilung beim Internationalen Deutschen Turnfest tätig und kümmere mich hier um die Organisation der Großveranstaltungen, wie die Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung sowie um die täglichen Abendshows in der SAP Arena.

Wenn auch das Turnfest aufgrund seiner primär breitensportlichen Ausrichtung nicht ganz so im Fokus der Öffentlichkeit steht wie es durchaus verdient wäre, handelt es sich dabei um eine Großsportveranstaltung. Das Turnfest ist mit etwa 80.000 Teilnehmern das weltweit größte Wettkampf- und Breitensportevent. Anders als es der Begriff „Turnfest“ vielleicht vermuten lässt, wird es in der Turnfestwoche aber nicht nur ums klassische Turnen in den drei olympischen Sportarten gehen, sondern um viele Sportarten, die von Beachvolleyball, Mountainbiken, Rope Skipping, Handball, bis hin zu Ringtennis, Indiaca, Wandern und vielen mehr reichen.

Erstmalig wird das alle vier Jahre stattfindende Turnfest in diesem Jahr (18. bis 25. Mai 2013) in einer gesamten Region mit drei beteiligten Bundesländern und vier Landesturnverbänden stattfinden. Es gibt in der Metropolregion Rhein-Neckar 21 involvierte Städte und Kommunen aus denen Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen die Zentren darstellen. Mehr Infos zum Turnfest gibt es übrigens unter www.turnfest.de.

Nebenberuflich leite ich zur Zeit eine kleine Agentur – walk&act, deren Schwerpunkt sich im Bereich der besonderen Markenkommunikation tummelt und so beispielsweise das eine oder andere Firmen- oder Sportmaskottchen bereits ins Leben gerufen hat oder aber Firmen sowie Vereine und Athleten strategisch in Sachen Kommunikation berät. Mehr Infos dazu gibt es unter www.walkandact.de.

Der dritte Bereich hat nichts mit Sport zu tun: Zusammen mit einem ehemaligen Arbeitskollegen habe ich die Unternehmergesellschaft – rushower – gegründet, die ab diesem Jahr (2013) aktiv werden wird und den Duschvorhangsmarkt hoffentlich erschüttern wird. Das Besondere an den Vorhängen wird das Design sein, denn es werden sog. Liniennetzpläne (ÖPNV-Pläne) der größten deutschen Städte aufgedruckt. Die Duschvorhänge bieten dann neben dem praktischen Nutzen auch eine Informationsmöglichkeit für die Nutzer sowie eben einen abstrakt-ästhetischen Pluspunkt, der im wahrsten Sinne die deutschen Bäder mobiler machen soll. www.rushower.de. So viel zum Beruflichen JETZT.

Kurz noch zu meiner Person. Ich bin 36 Jahre jung, habe Sportmanagement an der FH Braunschweig/Wolfenbüttel studiert, bin seitdem beruflich für Sportgroßveranstaltungen tätig (Frauen-Fußball-WM 2010, Leichtathletik-WM 2009, Olympische Spiele 2004, etc.), versuche weiterhin regelmäßig Sport zu treiben, lebe aktuell in Mannheim, reise viel umher und versuche bei allem immer so viel Spaß wie möglich zu haben.

Was sind die Hauptaufgaben in Ihrem aktuellen Job? Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Das Schöne – zumindest aus meiner Sicht – an meinem Job ist, dass es so gut wie keinen wiederkehrenden Alltag gibt, sondern tatsächlich jeder Tag anders aussieht. Meist beginnt er damit die E-Mails und die Termine des aktuellen Tages noch einmal durchzugehen, um eventuelle Vorbereitungen dafür zu treffen. Häufig resultieren daraus bereits Arbeiten die bestenfalls schnell geklärt und abgestimmt werden müssen. In der Regel ist mindestens der halbe Tage mit irgendwelchen Terminen und Meetings zur Abstimmung belegt, so dass der (Rest)Tag flexibel gestaltet wird, um die individuellen Planungen der Einzelevents je nach Projektstand und der entsprechenden Konzepte voranzubringen und umzusetzen.

Welchen Karriereweg haben Sie eingeschlagen um dorthin zu kommen, wo Sie heute sind?
Bereits im Studium habe ich mich bemüht Aktivitäten und Erfahrungen im Eventbereich zu sammeln. Angefangen mit Volunteertätigkeiten über Praktika bis hin zu kleineren Auftragsjobs versuchte ich so neben der Theorie auch praktische Kenntnisse und Kontakte zu sammeln. Letztendlich hatte ich das große Glück direkt von der Uni den Sprung ins Organisationskomitee der Leichtathletik-WM zu schaffen, wo ich als Bereichsleiter Kommunikation eingestellt wurde. Der Geschäftsführer damals wollte bewusst einige strategische Stellen mit jungen und kreativen Leuten besetzen, um neues, frisches Blut mit freien und kreativen Gedanken in die manchmal leicht starren Strukturen zu bringen. Und wie es der Zufall vielleicht wollte, bin ich so in diesen Bereich gerutscht und dann mehr oder weniger auch geblieben.

Welche Fähigkeiten sind in Ihrem aktuellen Job gefragt?
Aus meiner Sicht sind in meiner aktuellen Position einige Fähigkeiten besonders relevant. Da die Arbeitsbelastung zunehmend zur Nähe des Events deutlich ansteigt ist es sehr wichtig strukturiert zu arbeiten und sich aufs Wesentliche konzentrieren zu können. Zudem kommt bei Großsportevents hinzu, dass man sich nicht nur auf seinen eigenen Bereich beschränken sollte, sondern immer das Große Ganze im Blick haben sollte und hier sehr eng und in guter und offener Kommunikation mit den anderen Mitarbeitern zusammenarbeiten sollte. Kommen jetzt noch einige Eigenschaften wie Kreativität, Flexibilität, Gelassenheit und Belastbarkeit sowie ein gutes Sport- und sportpolitisches Feingefühl hinzu, ist man schon recht gut gewaffnet.

Was sind die wichtigsten Eigenschaften, die ein Sportmanager braucht?
Allgemein würde ich sagen, ist es wichtig Erfahrungen zu sammeln und dabei seine Gedanken trotzdem nicht allzu weit von eventuellen Restriktionen einengen zu lassen. Wichtig ist zudem bestmögliche Arbeit abzuliefern und so quasi seine Visitenkarte abzugeben, um sein eigenes Netzwerk aufzubauen. Definitiv ist es von Vorteil, wenn man belastbar und flexibel ist und stringent arbeiten kann. Absolut notwenig ist es, individuell nach Bereichen, ein gutes Fachwissen aufzubauen, aus dem man schöpfen kann.

Was war aus Ihrer Sicht die wichtigste Weichenstellung zu Beginn Ihrer Laufbahn?
Auch wenn ich als Jugendlicher schon immer in den Sportbereich wollte, habe ich nach meiner Ausbildung zum Bankkaufmann und dem anschließenden Berufsbeginn in einer Bank nicht mal mehr daran gedacht zu studieren, als mich unerwartet eine Zusage aus Braunschweig ereilte, wo ich mich zwei Jahre zuvor beworben hatte. Kurzum habe ich mein bisheriges Berufsleben auf den Kopf gestellt und mich an der FH zum Studium eingeschrieben, um das zu verwirklichen, was ich immer wollte. Sicherlich hat mir auch mein Auslandspraktikum für die persönliche Entwicklung viel gebracht. Nicht nur die Sprachkenntnisse, sondern viel wesentlicher die Horizonterweiterung gepaart mit dem
interkulturellen Austausch sind heutzutage fast unersetzlich.

Welche Tipps/Ratschläge würden Sie Kandidaten geben, die sich für eine Karriere im Sportmanagement interessieren?
Egal in welcher Position man tätig ist, sollte man stets das Beste geben, um sich zu empfehlen. Ich habe schon viele Praktikanten gesehen, die so zu einer festen Stelle gekommen sind. Nicht zu verbissen sein, sondern immer auch die Arbeit und das Besondere mit der Arbeit im Sport genießen. Zudem sollte man niemals aufgeben seine Ziele erreichen zu wollen und es immer weiter versuchen. Dennoch ist es ratsam sich trotzdem nicht ausschließlich auf den Sportbereich zu beschränken.

Was spricht für und was gegen einen Job im Sportbusiness?
Für mich ist das Sportbusiness eines der emotionalsten Geschäfte, die ich kenne. Es geht immer viel um Leidenschaft, Motivation aber eben auch zum Teil um nicht immer planbare sportliche Erfolge, die sich dann beispielsweise bei einem Abstieg auch negativ auf die jeweilige Berufssituation auswirken können.
Sport ist und bleibt für mich eine ganz große Faszination und Leidenschaft, die nicht nur mich antreibt, sondern auch viele Zuschauer vor Ort oder vor dem TV begeistert. Letztendlich ist genau das das, wofür ich im Sport arbeite – anderen ein tolles, einmaliges und unvergessliches Erlebnis zu verschaffen. Der Sportmarkt an und für sich ist nicht unermesslich groß und die Anzahl der Uniabsolventen mit einem Sportschwerpunkt nimmt weiterhin zu, so dass davon ausgegangen werden muss, dass nicht jeder Student in diesem Bereich auch einen Job finden wird. Manager bei einem Fußballbundesligisten werden in der Praxis die wenigsten, aber auch da sollte man für sich flexibel genug bleiben, denn auch neben dem Sport gibt es viele tolle herausfordernde Jobs in der Wirtschaft.

Was war das Highlight in Ihrer bisherigen Karriere?
Das Highlight in meiner „Karriere“ war sicher bis dato die Mitarbeit bei der Leichtathletik-WM. Ich habe dort nicht nur viel gelernt und viele interessante Personen kennengelernt, sondern konnte mich auch relativ frei und kreativ bewegen. Durch diesen Freiraum und dieses Vertrauen konnte ich viele Projekte eigenständig planen und zu realisieren. Neben vielen öffentlichkeitswirksamen Designs wie z.B. das CI und die einzigartigen Medaillen zählen auch die vielen Einzelveranstaltungen im Vorwege wie auch im Besonderen die konzeptionelle Erstellung und die Umsetzung des Maskottchens „Berlino“ zu meinen Highlights.

Es ist wirklich ein einzigartiges Erlebnis, wenn man mit einem Maskottchen durch die Stadt läuft oder gar in der U-Bahn fährt und sieht, mit welch einfachen Dingen man Spaß, Image und Bekanntheitswerte bei Jung und Alt steigern und vermitteln kann. Da an einer solchen Umsetzung nicht nur ein paar wenige Personen beteiligt sind und das ganze Konzept sehr akribisch vorbereitet und umgesetzt wurde, hat es mich am meisten neben all den Medienberichten erfreut, dass wir als Team dafür vom Verband der Deutschen Sportjournalisten die Fair-Play Trophäe für sportliche Fairness und neutrales Verhalten bekommen haben.

Wie stellen Sie sich Ihren weiteren Karriereweg vor?
Ich plane in der Hinsicht relativ wenig, da sich das meiste doch irgendwie immer ergibt. Tendenziell strebe ich aber danach, längerfristig an einem festen Ort tätig zu sein. Wenn es zudem weiter so läuft wie bisher, bin ich sehr zufrieden.

Vielen DANK für das Interview!

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