10 Fragen an Dominik Horsch vom Organisationskomitee der FIFA Fußballweltmeisterschaft 2014

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Mein Name ist Dominik Horsch und ich arbeite als Competition & Team Services Coordinator beim Organisationskomitee der FIFA Fußballweltmeisterschaft 2014 (Comitê Organizador da Copa do Mundo da FIFA Brasil 2014 / 2014 FIFA World Cup Organising Committee Brazil) im Hauptsitz des LOC in Rio de Janeiro.
Das LOC 2014 ist ein eigenständiges, zu 100% durch die FIFA finanziertes, Unternehmen. Zusammen mit den Austragungsstädten und den örtlichen zuständigen Organisationen ist das LOC 2014 für die Durchführung des Konföderationenpokals 2013 und der Weltmeisterschaft 2014 zuständig.

Was sind die Hauptaufgaben in Ihrem aktuellen Job? Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Der Aufgabenbereich unserer Abteilung ist extrem vielfältig. Im Prinzip sind wir in alle Prozesse involviert, die die FIFA Mitgliedsverbände und respektive die Nationalmannschaften im Rahmen der beiden Turniere – Confederations Cup und Weltmeisterschaft – betrifft. Das fängt bei Inspektionsreisen im Vorlauf der WM an und hört mit der Organisation der Abreise der letzten Nationalmannschaft nach dem Finalspiel in Rio de Janeiro am 13. Juli 2014 auf.

Welchen Karriereweg haben Sie eingeschlagen um dorthin zu kommen, wo Sie heute sind?
Aufgrund meines familiären Hintergrundes habe ich schon in frühen Jahren ein großes Interesse an einer beruflichen Tätigkeit im Sport entwickelt. Nach meinem Abitur (u.a. Prüfungsfach Sport LK), einem absolvierten Freiwilligen Sozialem Jahr im Sport beim Fußball- und Leichtathletik Verband Westfalen und einem Praktikum im NLZ des FC Schalke 04, begann ich mein Bachelor-Studium im Sport & Event Management an der BiTS in Iserlohn. Während des Studiums arbeitete ich als Volunteer bei der WM 2006 in Deutschland und absolvierte ein Praktikum beim DFB in Frankfurt, was mein Verständnis der Arbeitsfelder im Sport weiter schärfte. Darüber hinaus verbrachte ich ein Auslandssemester an der UFRGS in Porto Alegre, was u.a. einen ersten Kontakt mit dem Brasilianischen Fußball bedeutete. Nach meinem Bachelor wechselte ich an die DSHS Koeln, wo ich mein Studium im Startjahrgang des neuen Sportmanagement Masters begann und auch erfolgreich beendete. In diese Zeit fielen weitere Tätigkeiten für den DFB, ein Praktikum beim S.C. Internacional in Porto Alegre und eine Forschungsreise durch Brasilien im Rahmen meiner Abschlussarbeit, welche ich über die Vermarktung der höchsten Brasilianischen Fussballliga geschrieben habe.
Nach meinem Master erhielt ich ein Angebot als B2B-Koordinator beim Brasilianischen Erstligisten Coritiba FC in Curitiba zu arbeiten, wo ich insgesamt 14 Monate tätig war und für vier Monate übergangsweise Mitverantwortlicher der Marketingabteilung war. Seit Februar 2013 arbeite ich nun beim LOC der WM 2014.

Welche Fähigkeiten sind in Ihrem aktuellen Job gefragt?
In meinem aktuellen, aber auch in meinen vorherigen Jobs sind die in den Universitäten als „Soft Skills“ verschmähten Kenntnisse von unglaublicher Wichtigkeit. Dazu gehören u.a. Fremdsprachenkenntnisse, Organisationsgeschick oder auch Kreativität. Außerdem sind Stressresistenz, Ausdauer und Flexibilität gefragt. In der Organisation eines solchen Megaevents sind viele Faktoren zu berücksichtigen, die sich immer wieder ändern können, was zu längeren Arbeitstagen, Arbeit an Feiertagen oder zu spontan Anfragen führen kann. Man muss mit allem rechnen. Eine ähnliche Erfahrung habe ich auch bei meinen anderen Stationen machen dürfen.

Was sind die wichtigsten Eigenschaften, die ein Sportmanager braucht?
Leidenschaft, Organisationsgeschick, man sollte gut mit Menschen umgehen können und sowohl Teamplayer sein, als auch eigenständig arbeiten können.

Was war aus Ihrer Sicht die wichtigste Weichenstellung zu Beginn Ihrer Laufbahn?
Dass ich schnell wusste wo ich in etwa hin wollte und ich somit zielstrebig darauf hin arbeiten konnte. Zuerst war mir früh klar, dass ich im Sport meine Zukunft sehe, und als die FIFA Brasilien als Austragungsort für die WM 2014 benannt hat (das war im Oktober 2007), war auch das Ziel genauer umrissen.

Welche Tipps/Ratschläge würden Sie Kandidaten geben, die sich für eine Karriere im Sportmanagement interessieren?
Praktische Erfahrung in diesem Bereich ist meiner Meinung ungemein wichtig. Falls man Sport, bzw. Sportmanagement, an der Universität studiert, sollte man so viel Praxiserfahrung wie möglich sammeln. Zudem sollte man sich bewusst sein, dass nicht nur ein Abschluss im Bereich Sport (Berufsausbildung oder akademisch) dazu prädestiniert, auch im selbigen zu arbeiten. Von daher muss man hartnäckig sein, versuchen sein Profil zu schärfen und vielleicht auch mal Umwege in Kauf nehmen, um an sein Ziel zu kommen.

Was spricht für und was gegen einen Job im Sportbusiness?
Es ist definitiv ein Traum, in einem Bereich zu arbeiten, der Millionen, wenn nicht sogar Milliarden Menschen weltweit Freude bereitet. Es ist ein unglaublich abwechslungsreiches und interessantes Arbeitsfeld, in dem man viele Menschen kennenlernt und immer wieder Neues erlebt. Die unterschiedlichen Situationen fordern einen immer wieder neu, so dass es eigentlich fast unmöglich ist, in Routine zu verfallen.

Allerdings ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass der Job sehr stressig sein kann und man nicht selten sein Privatleben etwas hinten anstellen muss. Außerdem sollte man nicht glauben, dass man während eines Spiels/eines Events viel Zeit hat das Ganze zu genießen.

Was war das Highlight in Ihrer bisherigen Karriere?
Trotz meiner noch kurzen Tätigkeit im Sport habe ich schon einige Highlights erleben dürfen. Meine Volunteerarbeit bei der WM 2006 in Deutschland ist ein solches. Sicherlich aber auch das Copa Libertadores Finalrückspiel 2010 im Estadio Beira Rio zwischen S.C. Internacional und Chivas (Mexiko) während meiner Praktikumszeit, das Inter gewann und das Finalrueckspiel der Copa do Brasil 2012 im Estadio Major Antonio Couto Pereira zwischen Coritiba FC und Palmeiras. Das waren interessante, lehrreiche, aufregende und prägende Momente. Ein weiteres Highlight ist ohne Zweifel die Teilnahme des Coritiba FC an den Football Business Awards 2012 in London, den Coritiba in der Kategorie Best Marketing Campaign – Overseas gewann. Im Rahmen der Reise hatten wir die Chance Coritiba vorzustellen und uns mit großen Vereinen austauschen können.

Wie stellen Sie sich Ihren weiteren Karriereweg vor?
Diese Frage ist fuer mich natürlich sehr präsent, da ich nur noch in etwa ein Jahr für die Planung des weiteren Karriereweges habe. Grundsätzlich habe ich vor, nach der WM wieder nach Deutschland, bzw. Europa zurückzukehren, wo ich sehr gerne im Vereinsbereich tätig werden möchte (Internationales Marketing/International Relations oder auch im Bereich Teammanagement). Aber man weiß ja nie was kommt, besonders weil für 2016 noch die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro anstehen.

Vielen DANK für das Interview!

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