10 Fragen an Gisbert Wundram von Commentaro

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WAS GENAU DÜRFEN WIR UNS UNTER IHREM STARTUP VORSTELLEN?

Bei commentaro kann jeder in die Rolle eines Sport-Kommentators schlüpfen. Hierzu werden täglich aktuelle Sport-Videoclips mit Original Stadion-Atmo aus aller Welt des Sports auf das Portal (commentaro.com oder als iOS / Android App) eingestellt. Der User kann sich seine favorisierten Sport-Clips aussuchen und direkt per Sprachaufzeichnung selbst kommentieren. Der so fertig kommentierte Sportvideo-Beitrag wird über die Plattform veröffentlicht. Die eigenen erstellten Sportvideo-Beiträge können mit Freunden über Social Media geteilt werden, um möglichst viele Likes zu erhalten.

Am Ende kann ein echter Sport-Kommentatoren Vertrag bei sportdigital winken.

 

WIE IST DIE GESCHÄFTSIDEE ENTSTANDEN UND WIE FUNKTIONIERT IHR GESCHÄFTSMODELL?

Wir betreiben den Pay-TV Sportsender sportdigital und zeigen hier aktuell Live-Topspiele aus 13 Fußball-Wettbewerben rund um die Welt. Oft haben wir uns die Frage gestellt, ob unter unseren Zuschauern nicht viele Fans und Experten sind, die sich in den einzelnen Fußball Ligen und Wettbewerben auch sehr gut auskennen, aber keine Möglichkeit haben, sich mitzuteilen. Mit commentaro haben wir nun eine Plattform geschaffen, über die unsere Zuschauer ihr Expertenwissen und Know How quasi zurückspielen und selbst zum integrativen Bestandteil der Sendungen werden können –  nämlich zum Sport-Kommentator.

Commentaro finanziert sich über Video-Ads, über Affiliate-Provisionen und als Premium Pay Version.

 

WER SIND DIE GRÜNDER, WAS HABEN SIE VORHER GEMACHT UND WIE HABEN SIE ZUEINANDER GEFUNDEN?

Die Gründer von commentaro sind mein Kollege Bendix Eisermann und ich. Wir betreiben seit rund 10 Jahren den Pay-TV Sender sportdigital in gleicher Konstellation.

Ich habe Bendix als jungen Absolventen der Fachhochschule Wedel kennengelernt, der sich intensiv mit der Digitalisierung des Fernsehmarkts auseinander gesetzt hatte. Damals hatte ich ihn gefragt, ob er im Rahmen seiner Diplomarbeit Interesse daran hat, einen Businessplan für einen neuen digitalen Sportsender zu schreiben. Das war für sportdigital. Und so wurden wir dann Kollegen und betreiben den Sender bis heute, aus dem heraus wir neue Projekte wie beispielsweise commentaro entwickeln.

 

WAS WAREN DIE GRÖßTEN HÜRDEN AUF DEM WEG ZUR GRÜNDUNG?

Zunächst einmal mussten wir die Machbarkeit prüfen. Die Idee, unseren Zuschauern eine Plattform zu bieten, über die sie selbst Videoclips in der Rolle eines Sportkommentators kommentieren können, ist ja ein Sache. Aber würde so etwas überhaupt technisch funktionieren? Und wenn ja, wer könnte so etwas umsetzen? Und wen könnte man mit unserer Idee konfrontieren, ohne am Ende Gefahr zu laufen, dass derjenige das dann im worst-case alleine ohne uns umsetzen würde? Über einen befreundeten Ingenieur haben wir dann Kontakt zu einem Software-Unternehmen bekommen, die eine sehr ähnliche technische Lösung für den B2B Bereich bereits einsetzten. Aber würde das auch für unsere Idee funktionieren? Nachdem wir uns mit dem besagten Sportware-Unternehmen kurz vor Weihnachten getroffen hatten, war der Inhaber von unserer Idee so fasziniert, dass er offensichtlich über die Weihnachtstage daran rumexperimentierte. Jedenfalls erreichte mich, als ich Anfang Januar wieder im Büro war, eine Mail von ihm. Darin übersandte er mir den Link zu einer von ihm rudimentär gestalteten Website. Auf dieser hatte er bereits zu einem Videofile einen Player mit Record Funktion installiert und quasi einen ersten Demo-Case für commentaro geschaffen. Und das Beste: Es funktionierte auf Anhieb. Damit war klar, dass wir unser Startup Abenteuer starten konnten…

 

WIE FINANZIEREN SIE IHR STARTUP?

Ganz klassisch über eine Bankenfinanzierung.

WER SIND IHRE MITBEWERBER UND WIE GRENZEN SIE SICH VON IHNEN AB?

Eigentlich haben wir keine Mitbewerber, dachten wir zumindest, als wir unser Projekt im Mai dieses Jahres launchten. Bis wir plötzlich im Rahmen der Fußball WM Berichterstattung beim ZDF von „BeBela“ erfahren haben. Im Grunde die gleiche Idee als Teil der neuen ZDF Mediathek App. Bei „BeBela“ kann jeder Zuschauer quasi wie das Vorbild Bela Rèthy eigene Sportclips kommentieren. Zuerst waren wir natürlich entsetzt und geschockt. Wie konnte es möglich sein, dass beide technischen Lösungen unserer Idee quasi zeitgleich auf den Markt kamen? Wir launchten unsere commentaro Plattform und Apps im Mai, „BeBela“ startet im Juni.

Dann stellten wir jedoch fest, dass das ZDF-Produkt für uns eigentlich extrem hilfreich war. Mehr kostenlose Promo und Öffentlichkeit für eine neue Kommentierungs-App war ja kaum möglich. Und dann kann man über die ZDF App auch noch FIFA Inhalte kommentieren! Gilt doch die FIFA im Allgemeinen schlechthin als der größte Lizenzrechteschützer und sofortiger Abmahner bei etwaigen Lizenzverstößen.

Unser commentaro Projekt erhielt somit quasi über Nacht eine Art Ritterschlag mit einem öffentlich-rechtlichen „best practise case“ und gratis gelieferter Promo dazu.

Da die WM in den nächsten Wochen endet und „BeBela“ wohl nicht zum öffentlich-rechtlichen Auftrag oder zur Grundversorgung gehört, werden wir ab Mitte Juli mit commentaro wieder unique sein!

 

WIE WOLLEN SIE IHR STARTUP BEKANNT MACHEN?

Aktuell planen wir viele Kooperationen. Commentaro ist ein offenes Portal. Quasi für jeden Anbieter und Sender, der Content hat und seinen Zuschauern die Möglichkeit bieten möchte, Clips aus seinem Programmangebot z.B. als Zuschauerbindungsmaßnahme zu kommentieren. Sportdigital ist der erste Kunde. Wir sind aber aktuell schon mit sehr vielen weiteren Sendern und Contentinhabern in vielversprechenden Gesprächen. Über die weiteren Kooperationspartner wird commentaro somit beworben und aufgrund der hohen Viralität sicher innerhalb der Zielgruppe recht bald an Bekanntheit gewinnen.

 

WO STEHEN SIE MIT IHREM STARTUP IN EINEM JAHR?

Hoffentlich bei einer fünf- bis sechsstelligen Userschaft.

 

WELCHE TIPPS/RATSCHLÄGE WÜRDEN SIE GRÜNDERN MIT AUF DEN WEG GEBEN?

Platt formuliert: “Never give up.” Aber es ist tatsächlich so. Bei der Vielzahl von täglichen Herausforderungen, Hürden und sonstigen Unwegsamkeiten bedarf es schon einer besonderen Disziplin, eine Gründeridee bis zu deren Realisierung zu bringen. Das zeichnet eben eine echte Gründermentalität aus, von der es meines Erachtens viel mehr geben sollte.

 

WAS SPRICHT FÜR UND WAS GEGEN EINE GRÜNDUNG IM SPORTBUSINESS?

Gerade das Sportbusiness ist im Bereich der Vermarktung immer wieder der Treiber Nr. 1. Themen wie bspw. Sportrechtevermarktung, Merchandising, Sponsoring, Hospitality wurden ja im Sportbusiness erfunden. Von daher ist es immer gut, eine Nische für ein Startup in dieser umtriebigen, herausfordernden und wettbewerbsintensiven Branche zu finden. Andererseits läuft man natürlich gerade in dieser Branche Gefahr, von „me-toos“ rechts und links überholt zu werden.

 

VIELEN DANK FÜR IHRE UNTERSTÜTZUNG!

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