10 Fragen an Johannes Skowron von Re-Athlete

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WAS GENAU DÜRFEN WIR UNS UNTER IHREM STARTUP VORSTELLEN?

Unter dem Label Re-Athlete vertreiben wir nachhaltige Sportswear, die aus recycelten Fischernetzen und weiteren Plastikkomponenten aus den Weltmeeren und der Industrie hergestellt wird. Hierfür verwenden wir die 100% regenerierte ECONYL® Faser. Das Recyclingmaterial ist atmungsaktiv, elastisch und eignet sich hervorragend für den Sport. Die Näharbeiten finden ausschließlich in Deutschland statt. Wir möchten also nicht nur die Reinigung der Ozeane fördern, sondern auch ein Statement gegen die Fast Fashion Industrie setzen. Zusätzlich versuchen wir unser Startup vollkommen nachhaltig zu strukturieren. Grundsätzlich erhält man bei uns also nachhaltige, regional hergestellte Activewear für Einzelsportler, Vereine und Firmen.

 

WIE IST DIE GESCHÄFTSIDEE ENTSTANDEN UND WIE FUNKTIONIERT IHR GESCHÄFTSMODELL?

Die Geschäftsidee entstand im Sommerurlaub 2016. Ich hatte gerade meine Bachelorarbeit zum Thema „Social Entrepreneurship in der Sportbranche“ abgegeben und mich ausführlich mit dem Thema Nachhaltigkeit im Sport befasst. Meine Mitgründerin Alina näht und schneidert schon seit vielen Jahren und so entstand nach und nach das Geschäftsmodell. Uns war von Anfang an klar, dass unser Schwerpunkt nicht nur in den recycelten Materialien, sondern auch in der Produktion in Deutschland liegen muss. Alles andere wäre kein rundum nachhaltiges Konzept gewesen. Letztendlich haben wir in der Gründung unsere Interessen und Fähigkeiten (Nachhaltigkeit, Mode und Sport) integriert und umgesetzt.

Wir vertreiben unsere Sportswear sowohl in unserem Online-Shop, als auch in einem Ladengeschäft in Braunschweig. Des Weiteren bieten wir die Textilien nicht nur für Einzelsportler an, sondern auch für Teams, Vereine und Firmen, die sich öffentlichkeitswirksam für mehr Umweltschutz einsetzen möchten. Wir unterstützen die Kommunikation dieser Botschaft in Form von Social Media Posts und Blogbeiträgen.

 

WER SIND DIE GRÜNDER, WAS HABEN SIE VORHER GEMACHT UND WIE HABEN SIE ZUEINANDER GEFUNDEN?

Ich habe vor der Gründung Sportmanagement studiert. Momentan absolviere ich einen MBA mit dem Schwerpunkt „Strategic Management“ im Fernstudium. Meine Mitgründerin, Alina Hische, studiert Psychologie, ebenfalls im Fernstudium. Wir sind seit mehr als drei Jahren ein Paar und konnten daher gemeinsam viel Zeit und Energie in das Startup stecken. Mittlerweile ist das Team gewachsen und wir sind in einer sehr spannenden Wachstumsphase.

 

WAS WAREN DIE GRÖßTEN HÜRDEN AUF DEM WEG ZUR GRÜNDUNG?

Die größten Hürden bestanden in der Suche und Auswahl der geeigneten Partner und Lieferanten. Es war wirklich schwer das passende Recyclingmaterial zu finden. Mit der regenerierten ECONYL®-Faser aus Italien konnte wir die perfekte Lösung für unser Konzept finden. Ein größeres Problem war die Suche nach geeigneten Nähereien in Deutschland. Die deutsche Textilindustrie ist kaum mehr vorhanden, viele Prozesse sind in Ausland verlagert worden. Glücklicherweise haben wir mit der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg und weiteren NäherInnen in Norddeutschland ein festes Netzwerk an kompetenten Herstellern gefunden.

 

WIE FINANZIEREN SIE IHR STARTUP?

Wir haben Anfang 2017 eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Indiegogo gestartet. Leider kamen unsere damaligen Produkte nicht so gut an wie erhofft: So mussten wir anstatt eines 5-stelligen Betrags mit nur 1.500€ aus dem Crowdfunding planen. Daher mussten wir viele Investitionen mit unseren privaten Ersparnissen finanzieren. Nach dem Crowdfunding haben wir unser Design und unsere Produkte nochmals umgestellt und im Herbst 2017 unseren Online-Shop gelauncht. Unsere Produkte kamen dann wirklich gut an – somit konnten wir nach und nach unser Produktportfolio erweitern. Mittlerweile können wir alles aus dem Cashflow finanzieren. Ggf. kommt für uns in einer späteren Wachstumsphase nochmal eine Finanzierung mit Fremdkapital infrage.

 

WER SIND IHRE MITBEWERBER UND WIE GRENZEN SIE SICH VON IHNEN AB?

In der Sportbranche nutzen viele Hersteller Recyclingstoffe für ihre Textilien. Darunter sind die großen Player, aber auch viele Outdoormarken mit innovativen Produkten. Wir heben uns eindeutig mit unserer deutschen Produktion und unserer Unternehmensphilosophie von unseren Mitbewerbern ab: Unsere Konkurrenz wirbt oft mit nachhaltigen Materialien und umweltfreundlichen Produkten, lassen diese aber nicht zu fairen Bedingungen herstellen. Wir können mit unserer regionalen Produktion kurze Lieferwege, faire Löhne, sichere Arbeitsbedingungen und qualitativ hochwertige Textilien anbieten. Das schätzen unsere Kunden…Ein weiterer Punkt ist unsere ganzheitlicher Ansatz und unsere Philosophie. Wir versenden plastikfrei und klimaneutral, verwenden Ökostrom in den Geschäftsräumen, haben ethische Geldanlagen, spenden 1% jedes Verkaufs und versuchen unseren Kunden einen komplett nachhaltigen Einkauf zu gewährleisten. Das Thema „Nachhaltigkeit“ ist bei uns also keine Verkaufstaktik oder ein nachgelagertes Unternehmenskonzept, sondern unser Kerngeschäft.

 

WIE WOLLEN SIE IHR STARTUP BEKANNT MACHEN?

Grundsätzlich profitieren wir von einer hervorragenden Mund-zu-Mund-Propaganda. Unser Konzept spricht sich schnell rum und unsere Kunden kaufen oft mehrmals hintereinander bei uns. Des Weiteren konnten wir uns in der Vergangenheit auch über einige Berichterstattungen in Printmedien und sogar im Fernsehen freuen.

Darüber hinaus sind wir in den sozialen Netzwerken (Facebook & Instagram) aktiv. Wir vertreiben ein sehr emotionales Produkt und möchten dementsprechend auch die Hintergründe zu unserer Sportswear aufzeigen. Dafür eignen sich diese Plattformen hervorragend. Für unseren Store in Braunschweig setzen wir u.a. auch auf klassische Mittel wie Flyer und Plakate. Des Weiteren statten wir einen festen Pool von professionellen Athleten aus, die uns im Internet, als auch bei Sportveranstaltungen repräsentieren. Das Themengebiet „SEO“ spielt bei unserem Online-Shop natürlich auch eine wichtige Rolle. In Zukunft möchten wir unsere Aktivitäten in all den genannten Bereichen (und darüber hinaus) erweitern.

 

WO STEHEN SIE MIT IHREM STARTUP IN EINEM JAHR?

Schwierige Frage…In den bisherigen zwei Jahren sind wir kontinuierlich und organisch gewachsen. Viele Dinge waren nicht vorherzusehen und kamen eher spontan und unerwartet – wie z.B. die Möglichkeit zur Eröffnung unseres eigenen Ladens in Braunschweig. Das ist ja grundsätzlich auch das Spannende an einem Start-up. In einem Jahr würden wir uns gern einen gewissen Namen in der Sportbranche für nachhaltige Activewear erarbeitet haben. Langfristig möchten wir natürlich auch weiterhin wachsen und irgendwann unsere eigene Produktionsstätte eröffnen.

 

WELCHE TIPPS/RATSCHLÄGE WÜRDEN SIE GRÜNDERN MIT AUF DEN WEG GEBEN?

Testet eure Idee gründlich vor der eigentlichen Umsetzung. Macht nicht den Fehler und behaltet die Idee bis kurz vor dem Launch geheim. Egal ob Dienstleistung oder Produkt – die Ausarbeitung eines passenden Konzepts ist ein fortlaufender Prozess, der auch viel Feedback und ehrliche Kritik braucht. Schafft euch ein wirklich gutes Alleinstellungsmerkmal und analysiert die Branche vorher ausreichend. Ansonsten hilft auch oft nur der Sprung ins kalte Wasser. Traut euch! Die Gründerszene und Selbstständigkeit sind total spannend und bieten oft einzigartige Erfahrungen.

 

WAS SPRICHT FÜR UND WAS GEGEN EINE GRÜNDUNG IM SPORTBUSINESS?

Ich glaube das Sportbusiness bietet ganz viele Möglichkeiten für GründerInnen. Die Branche erfährt immer wieder neue Regelungen, Innovationen und Trends. Egal ob es um die Vereinslandschaft, den Dienstleistungssektor oder Konsumgüter geht – es bestehen genügend Anknüpfungspunkte für Existenzgründer. Man muss sich aber auch auf diese Schnelllebigkeit einstellen oder auch saisonale Hoch- und Tiefpunkte mitberechnen können. Grundsätzlich geht es meiner Meinung nach eher um eine passende Geschäftsidee, unabhängig der Branche. Die besten Erfindungen sind meist Lösungen für (alltägliche) Probleme. Unter Zwang ein Konzept fürs Sportbusiness zu suchen, ist wahrscheinlich schnell zum Scheitern verurteilt.

 

VIELEN DANK FÜR IHRE UNTERSTÜTZUNG!

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