10 Fragen an Sebastian Becker von der Köln Marathon Veranstaltungs- und Werbe GmbH

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Foto-Sebastian-Becker-kleinStellen Sie sich, Ihren aktuellen Job und Ihr Unternehmen/Ihre Institution vor.
Mein Name ist Sebastian Becker, ich bin 35 Jahre jung und arbeite seit 2006 bei der Köln Marathon Veranstaltungs- und Werbe GmbH in der rheinischen Metropole. Offiziell bin ich Leiter Kommunikation/Assistent der Geschäftsführung mit dem Zusatz Projektleiter Inline-Skating. Neben diesen genannten Verantwortungsbereichen kommen weitere Felder hinzu (s. u.).

Unser Kerngeschäft ist die jährliche Austragung des RheinEnergieMarathon Köln präsentiert von der Sparkasse KölnBonn. Hinzu kommen unterjährig einige kleinere, eher Kundenbindungsevents.

Was sind die Hauptaufgaben in Ihrem aktuellen Job? Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Je nach Phase in Bezug auf unsere Veranstaltung fallen unterschiedliche Aufgaben in unterschiedlicher Intensität an. Je näher die Veranstaltung rückt, desto operativer und umfangreichrer wird der Job.

Jeder von uns betreut mehrere relevante Bereiche und Themen im Vorfeld und zur Veranstaltung. So kümmere ich mich 11,5 Monate um die Teilnehmerbewerbung (On- und Offline-Marketing), die grobe Veranstaltungskonzeption und alle Aspekte rund um den Inlinemarathon (inklusive Sponsoring).

Die letzten Monate vor dem Event kommt der Einkauf veranstaltungsbezogener Güter hinzu.
An den Messetagen briefe ich diverse Dienstleister, checke die Aufbauten im Start-/Zielbereich und betreue das Inline Village auf der Messe.

Am Veranstaltungstag selber kontrolliere ich morgens mit der Polizei die Strecke, bin verantwortlich für die Geschehnisse an der Ziellinie und sorge für den reibungslosen Ablauf des Inlinemarathons inklusive Topathletenbetreuung.

Welchen Karriereweg haben Sie eingeschlagen um dorthin zu kommen, wo Sie heute sind?
– Nach dem Abitur und Bundeswehr habe ich eine Ausbildung zum Industriekaufmann in meiner sauerländischen Heimat Arnsberg gemacht.
– Daran anschließend habe ich ein Sportmanagement-Studium an der FH Braunschweig/Wolfenbüttel (jetzt Ostfalia) in Salzgitter mit zweitem Praktikum beim Veranstalter des Berlin-Marathons absolviert.
– Meine Diplom-Arbeit konnte ich über Läufer und Inline-Skater beim Berlin-Marathon schreiben.
– Leider war dann in Berlin keine Stelle für mich frei, so dass ich mich initiativ bei Marathonveranstaltern in Deutschland beworben habe.
– Neben Gesprächen mit Hamburg, Frankfurt und München bin ich dann in Köln gelandet und konnte u. a. mein Hobby (Inline-Skating) und eines meiner Studieninhalte (Marketing) zum Beruf machen: Seit einigen Jahren bin ich hier nun Projektleiter Inline-Skating und Leiter Kommunikation.
– Mit meiner Vorgeschichte und meiner Bewerbung habe ich mir dort quasi meine eigene Stelle geschaffen, diese gab es bis dato nicht. :o)

Welche Fähigkeiten sind in Ihrem aktuellen Job gefragt?
Da wir nur ein sehr kleines Team von 6 Festangestellten (davon 3 in Teilzeit) sind , und wir im Eventgeschäft tätig sind, sind folgende Fähigkeiten unerlässlich:
– Gut funktionierendes Teamwork
– Vielfältige Einsetzbarkeit: Jeder von uns betreut mehrere relevante Bereiche und Themen im Vorfeld und zur Veranstaltung (s. o.).
– Flexibilität: nicht nur Fokus auf eigene Aufgabenbereiche. Sofern notwendig, unterstützen wir uns alle gegenseitig und übernehmen z. T. auch Aufgaben der Kollegen, um diesen einen Tag, den wir planen und durchführen, zu einem Erfolg zu bringen.
– Stressresistenz: Der Großteil der Überstunden sammelt sich in den letzten 4-6 Wochen an, wo meist auch an Wochenenden gearbeitet wird. Wir arbeiten 364 Tage im Jahr für eine einzige Veranstaltung, an der dann alles zu 100% passen muss.
– Einerseits Planungsvermögen und Konzeptionierungsfähigkeiten im Büro, andererseits praktische Umsetzung vor Ort.
– Engagement, ggf. auch außerhalb der regulären Arbeitszeit
– …

Was sind die wichtigsten Eigenschaften, die ein Sportmanager braucht?
– Herzblut für den Sport, weniger Fokus auf das schnelle, dicke Portemonnaie
– Engagement
– hohe Motivation
– Flexibilität
– Stressresistenz
– …

Was war aus Ihrer Sicht die wichtigste Weichenstellung zu Beginn Ihrer Laufbahn?
Das Praktikum und die anschließende Diplom-Arbeit beim Branchenprimus in Berlin hat mir die Tür in Köln geöffnet.

Welche Tipps/Ratschläge würden Sie Kandidaten geben, die sich für eine Karriere im Sportmanagement interessieren?
Überprüft die Berufsmöglichkeiten möglichst noch vor dem Studium! Das Angebot an adäquaten Stellen ist sehr rar. Überlegt Euch gut, in welchem Bereich Ihr später arbeiten wollt und macht Praktika, vernetzt Euch frühzeitig mit relevanten Personen und ebnet Euch so den Weg.

Was spricht für und was gegen einen Job im Sportbusiness?
Für viele ist ein Job im Sportbusiness wie bei mir die Kombination von Hobby und Beruf. Der Umgangston ist meist recht locker. Wir beschäftigen uns mit den Freizeitaktivitäten anderer Menschen, wo sie abschalten und sich entspannen möchten bzw. Abwechslung zum Joballtag suchen. Das macht den Job sehr angenehm.

Leider hat sich das Angebot von Sportmanagement-, Sportökonomie- und Sportkommunikations-Studiengängen etc. in den letzten Jahren so stark vermehrt (zu Beginn meines Studiums gab es 6 Institutionen, zum Ende des Studiums über 30!), dass die reale Wirtschaft nicht wirklich ausreichend Stellen offerieren kann.
Hinzu kommt, dass finanziell – abgesehen von vielleicht einigen wenigen Bereichen – entweder nicht viel verdient werden kann, oder aber ein Großteil des Geschehens weiterhin über Ehrenamt abgedeckt wird.

Was war das Highlight in Ihrer bisherigen Karriere?
Ein richtiges Highlight hatte ich eher nicht. Aber ich würde sagen, dass ich mich freue, meinen aktuellen Weg gefunden zu haben. Es kann nicht jeder von sich sagen, dass er sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Neben all den anderen interessanten Aufgaben habe ich mein „Baby“, den Inlinemarathon, bei dem ich mich verwirklichen kann – für den ich aber auch Jahr für Jahr kämpfen muss. :o)

Wie stellen Sie sich Ihren weiteren Karriereweg vor?
… (keine Ahnung, Lottogewinn und Rente ;o) )

Vielen DANK für das Interview!

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