3 Fragen an Alexander Hahn (Manager Sponsoring Aktivierung & CSR bei der SSV Jahn Regensburg GmbH & Co. KGaA)

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Herr Hahn, im Rahmen Ihrer Tätigkeit beim SSV Jahn Regensburg sind Sie verantwortlich für die Sozialinitiative „Jahn Sozial: Brücken für Regensburg“. In der heutigen Zeit scheinen jedoch die wirtschaftlichen Interessen von Profisportvereinen immer wieder in einem gewissen Spannungsverhältnis zu deren sozialem Engagement zu stehen. Dahingehend stellt sich die Frage: Ist „CSR“ im Sport Hilfsbereitschaft oder Heuchelei?

Als Heuchelei würde ich das soziale Engagement der Fußball-Bundesligisten und anderer Profisportclubs in keinster Weise bezeichnen. Natürlich ist das Thema „soziales Engagement“ aus Clubperspektive aber vielschichtig. Deshalb lohnt eine differenzierte Betrachtung: Zum einen steht natürlich der Mehrwert für die Gesellschaft, der durch soziales Engagement und dementsprechendes Handeln geschaffen werden soll, im Mittelpunkt aller Bestrebungen der Clubs. Alles Handeln von Jahn Sozial ist beispielsweise darauf ausgerichtet, einen Mehrwert für die ostbayerische Gesellschaft im Allgemeinen und für deren junge, gehandicapte oder sozial benachteiligte Mitglieder im Speziellen zu schaffen. Zum anderen liegt es aber auch ganz klar im Interesse des SSV Jahn, durch dieses soziale Engagement in der ostbayerischen Gesellschaft positiv und unabhängig von der sportlichen Situation wahrgenommen zu werden und auf die Clubmarke „SSV Jahn“ mit ihren Markenwerten Glaubwürdigkeit, Bodenständigkeit und Ambition einzuzahlen. Die Clubs profitieren also auch selbst von einem gelungenen CSR-Engagement. Der Satz „tue Gutes und rede darüber“, der in diesem Zusammenhang häufig fällt, fasst diese beiden Aspekte wie ich finde sehr gut zusammen.

 

Mit elf sozialen Projekten hat Jahn Regensburg ein umfassendes Portfolio an CSR-Maßnahmen. Das zeugt von einem hohen Stellenwert dieses Bereiches. Wie schwer ist es für Sie eigene Ideen innerhalb des Vereins umzusetzen?

Unsere Sozialinitiative „Jahn Sozial: Brücken für Regensburg“ genießt tatsächlich einen hohen Stellenwert innerhalb des Clubs. Der SSV Jahn möchte mit den insgesamt elf regelmäßigen und nachhaltigen Projekten und unter Einbezug der medialen Präsenz des SSV Jahn Aufmerksamkeit auf bestimmte Randthemen und -gruppen lenken und für diese Brücken in die ostbayerische Gesellschaft bauen. Um dabei gerade dem selbstauferlegten Gütekriterium des nachhaltigen Handelns gerecht zu werden, liegt hinter allen Bestrebungen eine klare Konzeption. Innerhalb der Rahmenlinien dieser Konzeption ist es immer wieder möglich, neue und dem gesellschaftlichen Diskurs folgende Ideen zu entwickeln und in das Gesamtprojekt einfließen zu lassen. Es sei nur unser jüngstes Projekt, „Jahn Patenschaft“, als Beispiel genannt, das im Zuge der zunehmenden Immigration entstanden und mittlerweile fester Bestandteil von Jahn Sozial ist.

 

Ein interessantes Projekt trat 2016 in die Öffentlichkeit: „Common Goal“, bei dem die Idee ist, dass jeder Fußballprofi 1 % seines Gehalts in soziale Maßnahmen investiert. Was halten Sie von dieser Idee und macht auch ein Profi aus Ihrem Verein dort mit?

Mir persönlich gefällt diese Idee, die sich im Übrigen nicht nur auf Fußballprofis beschränkt, sondern viele weitere im Fußball versammelte Stakeholder einschließen möchte, sehr gut. Wie auch Jahn Sozial, lenkt Common Goal durch die (mediale) Strahlkraft des Fußballs Aufmerksamkeit auf Themengebiete, die ansonsten weit weniger oder gar nicht im Fokus der Gesellschaft stehen würden. Gleichzeitig kann durch den gezielten Einsatz der monetären Spenden viel bewirkt und der Gesellschaft etwas zurückgegeben werden. Meines Wissens nach ist derzeit zwar noch kein Jahn Profi Teil der Bewegung, bei den vielen Veranstaltungen von Jahn Sozial merkt man jedoch, wie sehr auch den Jahn Profis soziales Engagement am Herzen liegt. Daher möchte ich nicht ausschließen, dass eine Teilnahme an Common Goal zukünftig für den ein oder anderen ein Thema wird.

 

Herr Hahn wird bei der 7. Jenaer Sportmanagement-Tagung über „Gesellschaftliche Verantwortung im Fußball – Konzept, Instrumente und Erfolgsfaktoren am Beispiel des SSV Jahn Regensburg“ referieren. Schon jetzt freuen wir uns auf einen spannenden Vortrag!

Anmeldungen unter www.tagung-jena.de

Infos zur Uni Jena und den Studiengängen Bachelor Sportmanagement und MBA Sportmanagement.

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