8 Fragen an Bernd Baumbach vom IST-Studieninstitut

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Spielanalyse und Scouting

Seit gut einem Jahr kann man am IST Studieninstitut die Weiterbildung „Spielanalyse und Scouting“ belegen. In den einzelnen Studienblöcken bekommen die Teilnehmer u.A. Wissen über die Live-Beobachtung, die Videoanalyse, Talentsichtung und Talentförderung, sowie Kaderplanung und Scoutingorganisation vermittelt. Die Teilnehmer profitieren hier von der jahrelangen Erfahrung von Experten aus der Praxis. So hat z.B. Boris Notzon, aktuell Sportdirektor des 1. FC Kaiserslautern, seine Expertise und Erfahrung in die Erstellung der Lehrmaterialien einfließen lassen. Zudem zeigen Dozenten der STATS Deutschland GmbH in einer der Präsenzphasen, wie sie in der Praxis im Bereich Spielanalyse u.A. für den FC Bayern und den DFB arbeiten. Sven Herrmann, der aktuell als Spielanalyst bei der U17 des DFB tätig ist, gibt hier spannende Einblicke in seine Arbeit. Auch die Agentur Global Soccer Network, die die zweite Präsenzphase inhaltlich durchführt, schaut über den Tellerrand hinaus und nimmt die Teilnehmer mit in den Bereich des Datenscouting. Bernd Baumbach hat den Kurs entwickelt und spricht mit uns im Interview über Jobchancen und die Zukunft seines Fachbereiches.

Wie bist Du selbst in dem Bereich gelandet?
Ich habe selbst viele Jahre aktiv Fußball gespielt und es war mir recht früh klar, dass ich gerne im Umfeld des Fußballbusiness beruflich Fuß fassen möchte. Nach einem Kreuzbandriss musste ich allerdings meine Studienpläne ändern (ursprünglich war der damals klassische Weg geplant: Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Ökonomie und Management zu studieren) und habe fortan versucht über Umwege in die Branche zu kommen. Nachdem ich ein klassisches BWL Studium absolviert habe, habe ich anschließend Sportmanagement per Fernstudium angeschlossen.

Erzählst Du uns kurz etwas zu Deinem beruflichen Werdegang?
Ich habe während meines BWL Studiums dank eines glücklichen Zufalls ein Praktikum bei Borussia Mönchengladbach absolvieren dürfen. Hier war ich recht frei in meiner Arbeit und durfte einen Vorschlag für die Vermarktung des Stadions außerhalb der Heimspieltage erarbeiten und am Ende meines Praktikums der Geschäftsführung vorstellen. Diese Zeit hat meinen Wunsch im Fußball zu arbeiten gestärkt und war der Beginn ein starkes Netzwerk im Fußball aufzubauen. Anschließend bin ich aber für 2 Jahre ganz raus dem Sport und habe in einer Personaldienstleistungsagentur gearbeitet. Hier war ich vor allem im Recruiting und in der Personalauswahl tätig und konnte zumindest in einigen wenigen Projekten im Fußball den Bezug beibehalten. Im Dezember 2010 bin ich dann zum IST-Studieninstitut gekommen und habe zunächst 2 Jahre in der Verwaltung gearbeitet und hier die Online-Abwicklung von Prüfungsleistungen vorangetrieben, bevor ich 2012 in den Fachbereich Sport & Management gewechselt bin. In den folgenden Jahren habe ich dann zunächst den Kurs Athletenmanagement und zuletzt eben den Kurs Spielanalyse & Scouting entwickelt. Entsprechend bin ich im Fachbereich Sport & Management nun verantwortlich für alle konzeptionellen Themen im Fußball.

Was schätzt Du persönlich am meisten an dieser Arbeit?
Es macht einfach sehr viel Spaß im Fußball zu arbeiten und Beruf und Hobby miteinander verbinden zu können. Vor allem die Möglichkeit kreativ mit der Branche an neuen Konzepten zu arbeiten motiviert mich jeden Tag. Was mir dabei sehr gut gefällt ist der Austausch mit der gesamten Branche, also verschiedensten Vereinen, Verbänden und auch DL rund um den Fußball. Und natürlich die persönlichen Beziehungen die man zu Spielern, Trainern und Vereinsmitarbeitern aufbaut.

Wie kam es zu der Entwicklung des Studienganges?
Ich habe mir im Jahr 2015 überlegt in welchem Bereich des Fußballs keine ausreichende Ausbildung bzw. Bildungsmöglichkeit besteht und bin im Austausch mit einigen Branchenexperten relativ schnell darauf gekommen, dass es keine Scoutingausbildung gibt. Zumindest in Deutschland. Hierzulande arbeiten sehr viele ehemalige Profis, die definitiv ein gutes Auge haben und wissen worauf es ankommt, aber dennoch keine theoretische Ausbildung haben bzw. sich inhaltlich weiterbilden können, in diesem Bereich. Das wollte ich ändern, bin aber recht schnell darauf gekommen, dass sich das Thema Scouting aktuell extrem verändert und immer mehr mit dem Bereich der Spielanalyse und mit technologischen Themen verschmelzt. Die inhaltliche Entwicklung begann so richtig, nachdem ich mich mit zahlreichen Experten aus dem Bereich getroffen und ausgetauscht hatte und mit Boris Notzon dann einen der Vorreiter aus dem Bereich für die Entwicklung des Kurses gewinnen konnte. Und allein, dass Boris Notzon den Bereich „Spielanalyse & Scouting“ beim 1. FC Kaiserslautern leitete, zeigte mir, dass sich diese Begriffe nicht mehr getrennt voneinander betrachten lassen.

Wie setzt sich der inhaltlich zusammen?
In der Entwicklung war es mir sehr wichtig, dass wir einen sauberen roten Faden in dem Kurs schaffen konnten, so dass neben der Einführung in die Spielanalyse vor allem auch der Bereich Talentidentifikation extrem wichtig für mich und auch Boris Notzon war. Anschließend folgen die Inhalte zum Thema Scouting sowie auch das Thema Talentmanagement. Wir versuchen demnach den gesamten Weg der Talentidentifikation über die technologische Weiterentwicklung bis hin zur Einbindung eines Talentes in den eigenen Verein bzw. auch die Entwicklung durch das Talentförderprogramm des DFB zu beleuchten. Darüber hinaus binden wir zahlreiche Experten über unsere Online-Tools in den Kurs ein, um den bedeutenden Themen wie der Fußballlehre, der Kaderplanung und und und gerecht zu werden. Die Präsenzseminare im Kurs führen dabei ebenfalls Experten durch. So übernimmt die Stats Deutschland GmbH, also die vielleicht größte DL-Agentur im Bereich Spielanalyse und Partner vom DFB in dem Bereich, das Seminar zum Thema Spielanalyse. Und mit Dustin Böttger und seiner Agentur Global Soccer Network, konnten wir zudem auch der zunehmenden Bedeutung des Datenscoutings Raum verschaffen. Insgesamt bin ich daher sehr zufrieden mit der Vielfalt und Ausgestaltung des Kurses und weiterhin bemüht die Inhalte auszuweiten und up zu daten.

Wird er bisher gut angenommen?
Ja, viel besser als wir uns das wünschen konnten. Der Kurs besteht nun seit ca. 1 Jahr und wir durften schon rund 200 Teilnehmer bei uns in diesem Kurs begrüßen und ich persönlich freue mich vor allem über die Vielfalt und Heterogenität der Teilnehmer. Wir haben viele Trainer, aber auch aktive Scouts, sowie noch aktive Spieler bis hin zu Quereinsteigern usw. im Kurs. Das macht das Ganze sehr spannend.

Inwiefern arbeitet Ihr auch direkt mit Profivereinen zusammen?
Das tun wir grundsätzlich. Wir arbeiten ja prinzipiell mit einigen Vereinen auch in offiziellen Bildungskooperationen zusammen, wie z.B. der Fortuna hier in Düsseldorf, aber auch mit der Hertha Akademie, Eintracht Braunschweig und anderen. Auf diese engen Partner greife ich natürlich immer zuerst zurück, wenn es darum geht neue Inhalte abzustecken. Da finden dann zahlreiche konzeptionelle Meetings stand. Für die Entwicklung des Kurses habe ich mir aber natürlich auch das Know-how aus anderen großen Klubs bzw. vor allem von den Spielanalysten und technologischen Leitern geholt, die im Kurs dann wieder auftauchen. Boris Notzon ist unter Anderem mittlerweile ja Sportdirektor beim 1. FC Kaiserslautern und war sehr entscheidend in der Entwicklung des Kurses. Zudem konnten wir es ermöglichen, dass wir gezielte Praktika vermitteln konnten, von einigen Vereinen, die hier auf uns zukommen.

Wie sehen die Jobchancen in dem Bereich momentan aus?
Die Frage ist sehr schwer zu beantworten. Dieses Aufgabenfeld wächst im Moment jedenfalls extrem stark und ist auch laut Personalstudien im Fußball der am stärksten wachsende Bereich. Dennoch gilt natürlich auch hier, wie überall im Fußball, dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein muss. Dass man Affinität zu Technik haben sollte, dass man Erfahrungen mitbringen sollte und natürlich auch die entsprechenden Soft-Skills benötigt. Man darf auf keinen Fall glauben, dass ein Spielanalyst der reine Analyst ist. Es gehört vor allem auch dazu seine Ideen und Ergebnisse an Trainer und andere Verantwortliche zu kommunizieren und auch einen Draht zu Spielern zu haben. Genauso wie beim Scouting. Auch hier muss man eine Idee entwickeln zu einem Spieler und diese auch „verkaufen“ können. Aber wie gesagt, es ist der Bereich der aktuell am meisten wächst und größer werden wird. Schauen wir nach England, sehen wir wohin die Entwicklung in diesem Bereich gehen kann.

Was sind die spannendste Entwicklungen momentan?
Es gibt eigentlich zwei, für mich persönlich, sehr spannende Entwicklungen.

1. Die sehr, sehr spannende Entwicklung im technologischen Bereich. Hier geht es aber weniger darum alles zu adaptieren und alles was Technik ist im Fußball zu implementieren, sondern viel mehr darum sehr genau zu überlegen, was hilft uns wirklich? Und wie kann Technologie helfen? Im Moment wird der Fußball quasi davon überschwemmt und vieles wird sich nicht durchsetzen, glaube ich. Aber gerade jetzt ist es umso spannender zu schauen, was bringt uns wirklich weiter. Und vor allem was machen wir eigentlich mit all den Daten die mittlerweile zugänglich sind? Ist es wirklich wichtig auch im Amateurfußball physische Daten auszuwerten? Ich glaube es persönlich nicht. Aber technisch-taktische Daten können auch Kreisligatrainern helfen, um eine Mannschaft besser zu machen. Die Auswertung von Daten und vor allem Ableitung von Handlungsempfehlungen wird die größte Herausforderung für alle Fußballclubs in den kommenden Jahren sein.

2. Die extreme Entwicklung in Richtung Fokus auf NLZ-Spieler. Für mich persönlich ein sehr spannender Teil. Die Investitionen in Infrastruktur und Ausbildung nehmen extrem zu. Nicht nur in München und Leipzig. Und das finde ich toll und sehr spannend. Ich glaube, dass hier auch großes Potential in der Zukunft liegt! Auch was den Arbeitsmarkt im Fußball angeht. Und man muss dazu sagen, dass das Perfektionieren der Top-Teams irgendwann ausgereizt sein wird, die Ausbildung junger Spieler und Trainer aber noch viel Potential bietet.

Info IST:

Seit nun knapp 30 Jahren bildet das IST bereits erfolgreich aus. Seit nunmehr 11 Jahren auch spezifisch im Bereich Fußballmanagement. Zu den Absolventen zählen hier auch prominente Mitglieder der Fußballbranche, wie z.B. Max Eberl, Michael Preetz, Fredi Bobic und Co.. Neu ist hier nun auch der Kurs Fußball-Athletiktraining. Mehr Informationen zum IST finden Sie unter www.ist.de

Info Bernd Baumbach:

Bernd Baumbach ist verantwortlich für die Konzeption der Weiterbildung Spielanalyse & Scouting, sowie der Neuausrichtung des IST-Diploms Fußballmanagement und verantwortet die inhaltliche Steuerung der Unit Fußball beim IST.

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